Der Designprozess – ein Prozess in 1.000 Formen

Wie sieht eigentlich ein Designprozess aus? Welche Phasen durchlaufen wir als DesignerInnen? Schwierig zu beantworten, da jeder anders vorgeht. In der Literatur findet man einiges zu Designprozessen. Man findet diverse Prozessmodelle und alle versuchen den einen „richtigen“ Designprozess abzubilden. Doch was ist schon der eine „richtige“ Designprozess? Ein paar Gedanken dazu und ein gutes Beispiel eines Prozessmodells.

Was ich bisher über den Designprozess gelernt habe – eine kurze Zusammenfassung

Der Designprozess …

  • … besteht aus mehreren Phasen, die sich in Problem- und Lösungsraum unterteilen.
  • … hat konvergente und divergente Denkphasen.
  • … ist iterativ, kreativ und offen.
  • … wird durch Designmethoden positiv beeinflusst.
  • … ist nutzer-zentriert.
  • … braucht Design Research Methoden.
  • … profitiert von Perspektivenvielfalt.

Die Vielfalt an Prozessmodellen bietet unzählige Einblicke in den Designprozess

Gewiss ist eigentlich nur, dass vom ersten Briefing bis zum fertigen Design bestimmte Phasen durchlaufen werden. In einer Publikation von Dubberly Design Office wurden jede Menge Prozessmodelle gesammelt und analysiert (PDF zum Download). Diese geben Aufschluss über verschiedene Aspekte vom Designprozess aber schlussendlich kann kein allgemein gültiger Designprozess definiert werden. Bestimmte Aspekte, Bestandteile, Aufgaben und Phasen tauchen zwar in den unterschiedlichen Modellen immer wieder auf, aber trotzdem können diese mMn. nicht in einem Modell zusammengefasst werden. Alle Prozessmodelle tragen ihre Wahrheiten in sich, doch trotzdem ist jeder Designprozess anders.

Double Diamond Prozessmodell vom Design Council

Quelle: www.thecreativeindustries.co.uk

Ein oft vorgestelltes Prozessmodell ist der Double Diamond Prozess vom Design Council. Man erkennt in diesem Modell vier Phasen (Discovery, Define, Develop, Deliver). Außerdem sieht man, dass es zwei divergente Phasen (Öffnen) und zwei konvergente Phasen (Fokussieren) gibt. Dadurch werden sehr viele Problemaspekte, Informationen und Ideen zugelassen und dann gefiltert, hinterfragt und ausgewählt. In der Hälfte des Prozesses passiert die Problemdefinition, da man das tatsächliche Problem ja zu Beginn noch gar nicht wissen kann. Man beginnt mit einem groben Problem und durch verschiedene Research-Methoden gewinnt man Erkenntnisse über die NutzerInnen und deren Bedürfnisse. Man ergründet das Problem in seiner Tiefe, um schlussendlich das konkrete Problem zu definieren. Dieses gilt dann auch als Ausgangsbasis für die weitere Entwicklung der Ideen und Designs. Was vielleicht noch fehlt in dem Prozessmodell und eine typische Eigenschaft für den Designprozess ist, ist sein iterativer Charakter. Prozessphasen werden oftmals nicht nur einmal durchlaufen, sondern in Iterationen wiederholt und auch zwischen Phasen hin- und hergesprungen.

Weshalb gibt es eigentlich Prozessmodelle?

Das Double Diamond Prozessmodell vereint eigentlich auf einfache Art und Weise viele Aspekte eines Designprozesses. Aber weshalb ist es eigentlich wichtig ein Prozessmodell zu „erfinden“ und es in so einer vereinfachten Form darzustellen? Gerade in der Lehre von Design aber auch in Workshops, wo design-fremde Menschen einen Designprozess durchlaufen und etwas gestalten sollen, ist es wichtig ein einfaches Modell zeigen zu können. Nur so kann man bewusst machen, wie ein Designprozess beispielsweise ablaufen kann. Im Designprozess selbst kann man dann immer wieder auf das Modell zurückkommen und hinterfragen, wo man sich eigentlich gerade befindet und welche Aufgaben eigentlich mit der vorangehenden Prozessphase verbunden waren. Ein Prozessmodell ist also ein guter Startpunkt um mehr über Design zu lernen.

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